DIE AUSMALUNG

Wer sich heute ein Bild von der ursprünglichen Gestaltung der Innenräume dieser Kirche machen will, braucht viel Fantasie. Die Wände und Pfeiler waren nach ihrer umfangreichen Restaurierung 1909 kalkweiß und darauf spannte sich ein quaderförmiges Netz aus roten Linien. Neben den Fenstern befanden sich figürliche Darstellungen von Aposteln, Engeln und auch weltlichen Personen. Auf einer Ebene knapp unterhalb der Gewölbe waren fast 200 Heilige versammelt. Von diesen Fresken sind heute nur noch Fragmente erhalten.

Die Ausmalung an den Wänden der Seitenschiffe, des Chores und der Pfeiler begann in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Fresken wurden vermutlich in den 1350er oder 1360er Jahren fertiggestellt. Die Kirche verdankt sie den Stiftungen von Anklamer Bürgern, die nach den Schreckenserfahrungen der Pest ganz besonders um ihr Seelenheil bedacht waren. Die Figuren und das ornamentale Beiwerk ähneln der Wandbemalung in der Stralsunder Nikolaikirche und vermutlich wurden beide Kirchen von derselben Werkstatt ausgemalt. Nahezu vollständig erhalten sind die Wandbemalungen der Anklamer Marienkirche aus dem frühen 14. Jahrhundert. Sie sind ein gutes Vergleichsbeispiel, um einen Eindruck von der einstigen Innenausmalung der Kirche zu bekommen.   

Östliche Chorschildwand
Der Evangelist Lukas, sitzend, mit einem aufgeschlagenen Buch in der linken Hand und vermutlich einem Malstab in der rechten. Über ihm ein so genannter Wimperg mit Fialen und Dachreiter, einer in der Gotik typischen Bekrönung von Portalen, Fenstern, Giebeln aber auch Wappen.

An der vierten Jochwand begegnet eine junge Dame einem jungen Herrn. Sie sind modisch, d. h. im Stil der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, gekleidet und liebevoll einander zugewandt. Sie trägt eine lilafarbene Jacke, einen gelblichen Rock mit Falten und braunen Trägern. In ihrer rechten Hand hält sie eine Flöte, die andere stützt sie auf die Hüfte und von den Ellenbogen fallen lange Schleppen herab. Ihr Haar ist  geflochten. Der Mann hält in der Hand eine Blüte. Er trägt über bräunlichen Beinkleidern einen braunen Rock mit grünem Kragen und eine Gugel genannte Kopfbedeckung. Auch von seinen Ellenbogen fallen Schleppen herab.

Das Paar wird von zwei skurrilen Männlein mit verrenkten Armen beäugt, die jeweils zu ihren Füßen hocken und Grimassen schneiden.